Christine Bernhard, der Weinberg, die Kalkriffe und das Warten aufs Schwarzwerden

Christine Bernhard vorm Schwarzen Herrgott
Christine Bernhard ist so etwas wie die Grande Dame des Ökoweinbaus. Die Winzerin aus Harxheim lobt die Zeller Weine für ihre Mineralität und unglaubliche Länge: „Unsere Weine sagen nicht mitten auf der Zunge Tschüss.“

Das Kreuz im Weinberg ist weithin sichtbar, obwohl es, wie Christine Bernhard mit einem Augenzwinkern bedauert, doch viel kleiner sei, als das ursprüngliche Kreuz und schwarz sei es auch noch nicht. Bernhard, Inhaberin des Weinguts Janson-Bernhard in Zellertal-Harxheim, hat auf dem Mäuerchen vor dem Kreuz Platz genommen. Von hier aus reicht der Blick bis zum Donnersberg. Obwohl dieser weit weg scheint, ist sein Einfluss doch im Zellertal zu spüren. „Der Donnersberg gibt uns Regen- und Gewitterschutz. Wir sind bei weitem nicht so hagelgefährdet wie andere Gebiete“, sagt Bernhard und fährt fort: „Unsere Sommer sind sehr trocken. Im Schnitt fallen nur 500 Millimeter Niederschläge im Jahr. Auf der anderen Seite des Donnersbergs regnet es doppelt so viel.“ Für die Reben scheint die Trockenheit kein Problem zu sein, die Rieslinge und Gewürztraminer vom Zeller Schwarzen Herrgott haben schon bei den Weinversteigerungen um 1900 Höchstpreise erzielt und wurden im Hotel Adlon in Berlin und auf den Kreuzschiffen der Hamburg-Amerika-Linie ausgeschenkt.

Gerade mal neuneinhalb Hektar ist die Weinlage groß. Ihre Geschichte führt zum Heiligen Philipp, dessen Mönchszelle das Tal seinen Namen verdankt. „Philipp baute im Jahr 708 ein Stückchen von seiner Zelle entfernt seinen Messwein an. Da er zum Beten nicht immer hin und her laufen wollte, stellte er ein Kreuz im Weinberg auf“, sagt Bernhard. Mit der Zeit verwitterte dieses Kreuz, es wurde schwarz und gab dem Weinberg den Namen Schwarzer Herrgott. Ursprünglich stand das Wegekreuz gegenüber, dort wo jetzt das Ehrendenkmal steht.

„Der Weinberg gehört zum Mainzer Becken. Im Paläozän befand sich hier eine Lagunenlandschaft mit besonders hohen Kalkriffen. So viel Kalk am Stück gibt es weder in der Pfalz, noch im benachbarten Rheinhessen. Der Fels macht es den Reben schwer zu wurzeln, wenn sie aber den Weg nach unten gefunden haben, halten sie besser durch als Reben in Sandböden“, weiß Bernhard. So habe im extrem trockenen Sommer 2018 keiner der Weinberge im Zellertal so gelitten wie die an der Weinstraße.

„Auch die Exposition ist eine Besondere. Die ganze Pfalz ist eigentlich ein Westhang. Der Zeller Schwarze Herrgott dagegen eine reine Südlage“, sagt Bernhard und schaut auf den terrassierten Wingert. Üppig kann man die Erträge des Weinbergs nicht nennen, dafür aber sind die Weine hochmineralisch. „Wenn man das Weinglas schwenkt, riecht man oben eine Meeresbrise. Dann erst kommt Frucht und zwar weniger Aprikose oder reife Maracuja, sondern klare Zitrusfrucht, Apfel und weißer Pfirsich“, betont die sympathische Winzerin und schwärmt: „Die Zeller Weine haben eine unglaubliche Länge. Sie sagen nicht mitten auf der Zunge Tschüss. Ihre Mineralität tanzt auf der Zunge, sie blitzt immer wieder zwischen den anderen Aromen durch.“