Über einen Zeitraum von rund anderthalb Jahren hat das auf Tourismus und Regionalberatung spezialisierte Büro BTE aus Berlin zusammen mit vielen Beteiligten aus dem Donnersbergkreis ein Tourismuskonzept für das Donnersberger Land erstellt. Dieses wurde am 9. Februar bei einer digitalen Veranstaltung vorgestellt und von den Mitgliedern des Donnersberg-Touristik-Verbandes einstimmig angenommen. Entstanden sind drei übergeordnete Maßnahmen, neun Schlüsselmaßnahmen und 40 weitere Maßnahmen. „Das ist ein großer Schritt und es kann auch ein großer Wurf werden. Jetzt müssen wir die einzelnen Maßnahmen gemeinsam angehen“, sagte Landrat Rainer Guth, der auch Vorsitzender des Donnersberg-Touristik-Verbandes (DTV) ist.

„Das Donnersberger Land hat das Potenzial für mehr, weil es attraktiv und schön ist und vielen noch nicht bekannt“, betonte BTE-Geschäftsführer Dr. Alexander Schuler bei der Vorstellung des Konzeptes. Simon Lauchner, der Geschäftsführer des DTV, hob hervor, „dass es uns wichtig war, ein Konzept zu erstellen, an dem alle beteiligt sind. Dabei sollte immer unser Profil im Blick behalten werden. Nun ist eine Grundlage zur Weiterentwicklung des Tourismus geschaffen.“ 

Entstanden ist dieses Konzept in drei Phasen, wie Dr. Alexander Schuler verdeutlichte. Zunächst einmal wurde die aktuelle Situation beleuchtet, dann wurden in einer Zukunftswerkstatt Visionen und Ziele erstellt, eine Profilierung sowie Zielgruppen in den Blick genommen. Schließlich wurde sich bei einer Maßnahmenwerkstatt mit Handlungsfeldern und Maßnahmen befasst. An einer Onlinebefragung hatten sich 212 Einwohnerinnen und Einwohner beteiligt, 69 Tourismusakteure und 30 Experten wurden eingebunden. „Es soll eine Konzeption aller sein, die gemeinschaftlich getragen und umgesetzt wird“, sagte der BTE-Geschäftsführer, der aus Berlin zu den 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Onlineveranstaltung sprach. Er betonte zudem: „Das, was Sie im Tourismus tun, ist auch ein Mehrwert für die Einwohner und die Tagesgäste. Es trägt dazu bei, dass der Lebensraum attraktiver wird, Familien hinziehen.“

Bei der Erstellung des Konzeptes spielten auch aktuelle Trends eine Rolle, Themen wie Digitalisierung, Ökologie, Regionalität, aber auch die gestiegene Wertschätzung für den Tourismus, ebenso die Folgen der Corona-Krise. Grundsätzlich, so strich Schuler heraus, verfüge das Donnersberger Land über eine gute Regionalbahnanbindung, über ein gutes Busnetz innerhalb des Landkreises, über ausgezeichnete Wanderbahnhöfe und eine gute Erreichbarkeit mit dem Pkw über die Autobahnen 6 und 63. Schwächen seien dagegen unter anderem keine direkte ICE-Anbindnung, teilweise lange Fahrtzeiten auf den Buslinien und keine Carsharing- oder Bikesharing-Angebote in der Region.

Generell wurden als Stärken auch die besondere naturräumliche Lage am Pfälzerwald mit dem höchsten Berg der Pfalz, viel Potenzial zur Stärkung weiterer Themen wie Regionalität, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Naturerlebnis sowie eine attraktive Ansprache der Zielgruppe durch die neue Internetseite des Donnersberg-Touristik-Verbandes mit einer Verzahnung zur Pfalztouristik herausgestellt. Als Schwächen sieht das Büro kaum Sehenswürdigkeiten beziehungsweise Attraktionen und Veranstaltungen mit überregionaler Ausstrahlungskraft und Bekanntheit, fehlende Angebote für Elektromobilität, kein einheitliches Rad- und Wanderwegekonzept, mangelhafte Öffnungszeiten der Sehenswürdigkeiten und Gastronomiebetriebe, wenig geprüfte Qualität, wenig buchbare Produkte, keine Pauschalen, die „Appetit machen“, eine kleinteilige Organisationsstruktur sowie eine zum Teil fehlende Online-Buchbarkeit von Leistungen. Ausbaufähig seien zudem barrierefreie Angebote.

Chancen werden unter anderem bei der steigenden Nachfrage nach Nahzielen, einem Ausbau bestehender Naturerlebnis- und Umweltbildungsangebote, im Bereich Familienurlaub, Erholung und Aktivurlaub, der Vernetzung von Angeboten, Genussthemen oder der starken Marke Pfalz gesehen. Risiken dagegen unter anderem beim Thema Nachfolge und Personalproblematik in der Gastronomie, der starken Konkurrenz in Natur-, Kultur- und Aktivthemen durch andere Reisegebiete oder dem Klimawandel mit Folgen für Wälder.

Als Zielgruppe für das Donnersberger Land arbeitete das Büro aktive Natur-Genießer sowie vielseitige Aktive – oft Familien mit Kindern –, zudem Tagesgäste und die Einwohnerinnen und Einwohner heraus. Zielgruppe für eine „WohlfühlRegion rund um den höchsten Berg der Pfalz, in der sich Gäste ,Dehäm bei uns‘ fühlen“, wie es Dr. Alexander Schuler in einem Satz beschrieb. So werden als Schwerpunktthemen auch „LandErleben in der WohlfühlRegion Donnersberger Land“, „Entspannt aktiv im Einklang mit der Natur“ und „Kultur und Geschichte zum Anfassen“ gesehen. „Es sind Dinge da, die ganz toll sind. Da ist aber auch noch Luft nach oben“, sagte der BTE-Geschäftsführer.

Auch mit der Organisations- und Kooperationsstruktur hat sich das Büro befasst, empfiehlt eine Weiterentwicklung. So soll sich der Donnersberg-Touristik-Verband auf den Weg zu einem Tourismus Service Center machen, Arbeitsprozesse und Aufgabenwahrnehmung sollen optimiert werden und der DTV nicht an den Landkreisgrenzen halt machen, sondern sich nach ähnlichen Angeboten, Gästeströmen und Kooperationsstrukturen orientieren. „Die politische Grenze eines Kreises ist nicht die Aktionsgrenze eines Gastes. Wir müssen uns als Region attraktiver machen zur Mitarbeit der benachbarten Regionen. Wir haben den höchsten Berg der Pfalz, der ist von Kaiserslautern bis Alzey regionalbildprägend“, beschrieb es Landrat Guth. Eine Aufgabenwerkstatt zur Abgrenzung der Aufgabenwahrnehmung zwischen DTV und den kommunalen Tourismusstellen ist für das erste Halbjahr 2022 in Planung.

BTE hat einen Maßnahmenkatalog mit drei übergeordneten Maßnahmen, neun Schlüsselmaßnahmen und 40 weiteren Maßnahmen erstellt, jeweils mit Priorität, Zeitrahmen, Verantwortung und Zielsetzung versehen. „Ganz wichtig“ ist dem Geschäftsführer dabei die Aufwertung und Inszenierung des Donnersberges, wie er betonte. Er schlägt vor, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, dabei eine Arbeitsgruppe zur Begleitung des Projektes zu etablieren. Von Bedeutung sei es dabei, die Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner mitzudenken, sich an dem Leitbild einer entschleunigenden Region zu orientieren, bei den Aktivitäten nicht „höher, schneller, weiter“, sondern eher „sanfter, familienorientierter“ zu denken, nachhaltig und am Gemeinwohl orientiert. „In der Maßnahmenwerkstatt sind viele interessante Dinge diskutiert worden, die es wert sind, mitzunehmen“, betonte Schuler, und nannte Eingangsportale zum Donnersberg, eine Aufwertung des Gipfels, Kunst- und Lichtinstallationen oder Familienangebote als Beispiele – empfahl zudem einen Blick auf den Erlebnispark Hexenwasser in Tirol.

Die Pflege und der Ausbau der Freizeitinfrastruktur sind dem Büro ebenfalls wichtig, eine Inwertsetzung und Vermarktung der profilrelevanten Angebote. Das unterstrich auch DTV-Geschäftsführer Simon Lauchner: „Wir müssen darauf achten, dass wir uns nicht nur auf Neues stürzen, sondern auch Angebote und Infrastrukturen gegebenenfalls erst einmal in Wert setzen.“ Der Donnersberg-Touristik-Verband könne oft Impulsgeber sein, „bei der Umsetzung sind wir aber zwingend auf die Unterstützung angewiesen, darauf, dass es Partner gibt, Akteure, die vor Ort etwas umsetzen. Es geht nur gemeinsam“, betonte Lauchner, der sich bei allen bedankte, die sich an der Erstellung des Tourismuskonzeptes beteiligten.

Die Bedeutung einer gemeinsamen Weiterentwicklung unterstrich auch der Landrat: „Optimieren und Etablieren sind die beiden Schlagworte. Wir haben im Donnersbergkreis überall sehr viel zu bieten. Wir können viel gemeinsam auf die Beine stellen. Dafür muss es Aktive geben, die mitmachen“, so der DTV-Vorsitzende, der ergänzte: „Das Tourismuskonzept ist ein erster, gut recherchierter, professionell evaluierter Aufschlag, der weiterleben muss. Die Arbeit geht jetzt richtig los – auf einer strukturierten Basis. Darauf freue ich mich.“

Den Endbericht zum Tourismuskonzept für das Donnersberger Land finden Sie hier.