Veranstaltung

Kunstausstellung Susanne Krell "zwischendrin / Barock, fliegend"

Objekte – Installation – Frottagen

Vernissage: Donnerstag, 9. September 2021, um 18:00 Uhr
Museum im Stadtpalais, Amtsstraße 14, Kirchheimbolanden
Besichtigung: Dienstag bis Sonntag, 14:00 bis 17:00 Uhr und nach Vereinbarung (tw@thornconcept.eu)
Ausstellungsende: Donnerstag, 7. Oktober 2021
Projektträger: Stadt Kirchheimbolanden
Idee und Realisierung: Dr. Lydia Thorn Wickert, thornconcept.

Aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums des Interkulturellen Dialogprojekts für Steinmetze in Kirchheimbolanden und Lviv in der Westukraine wurde für das Museum im Stadtpalais von Kirchheimbolanden eine Ausstellung der namhaften Künstlerin Susanne Krell programmiert, die am Donnerstag, 9. September, 18 Uhr, im Beisein von Kulturstaatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck eröffnet wird. Die Einführung hält Dr. Heinz Höfchen, langjähriger Leiter der Graphischen Sammlung des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern und ein ausgewiesener Kenner der Arbeiten von Susanne Krell.
Die langjährige künstlerische Auseinandersetzung mit dem von Menschenhand behauenen Stein, mit historischen Gebäuden und der Geschichte von Orten macht Susanne Krell zur idealen Künstlerin für ein solches Projekt in der Barockstadt Kirchheimbolanden und der denkmalgeschützten Altstadt von Lviv, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Für beide Städte stellt die Bewahrung des kulturellen Erbes eine große Herausforderung dar. Der künstlerische Umgang mit der historischen Bausubstanz sensibilisiert die Menschen für das Thema und erhöht die Wahrnehmung für die Gebäude und die Geschichte dahinter.
Die Künstlerin beschreibt ihre Arbeit selbst sehr anschaulich: „Ich sammle Spuren von Orten, von Gebäuden, Plätzen und Räumen. Ich sammle die Oberfläche und das, was unter ihr liegt, die Geschichte und die Geschichten, die Ideen und das Konzept eines Orts. Als Künstlerin habe ich vor Jahren die Frottage für mich entdeckt - eine Berührung ohne Distanz. Sie ist das geeignete Mittel für mich, aus Moskau, New York, Doha, Paris, Kairo, Rom, Venedig und Jerusalem, aus China, dem Westerwald und der ganzen Welt authentische Oberflächen aufzunehmen. Ästhetisch interessieren mich die entstehenden schwarzen Spuren, Punkte, Striche, Linien auf weißem Papier, nicht benennbare Formen, aber mit belegbarer Herkunft. Sie haben Gemeinsamkeiten und sind trotzdem individuell und einzigartig für den Ideenort, einem Fingerabdruck ähnlich. Papier und Leinwand werden durch Auflegung und Spurenabnahme zum Träger von Ideen. So ist eine Sammlung von bisher über tausend Frottagen entstanden. Diese Sammlung bildet die Grundlage, das Rohmaterial für meine Arbeit.“
Die hinter der geographischen Realität verborgenen Schichten aus Ideen, Mythos und Geschichte werden sichtbar gemacht mit unterschiedlichen Medien, wie Photographie, Video, Projektionen, Tondokumenten, Collagen oder Installationen. Die den Frottagen inhärente Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit werden transparent.
(siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Krell und https://www.susanne-krell.de)
Neben einem Fachhochschulstudium in Koblenz (1972–1976), einem Kunsttheorie-Fernstudium an der Universität Tübingen (1989–1990) und einem Philosophiestudium an der Universität Bonn (1998–2002) war vor allem die Begegnung mit Marina Abramovic anlässlich ihres Seminars Cleaning the House (1999) von Einfluss für das künstlerische Schaffen von Susanne Krell. Seit 2008 übernimmt die Künstlerin regelmäßig Kuratoren- und Jurorentätigkeiten wie auch Lehrtätigkeiten. Für ihre Werke erhielt Susanne Krell zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Sie ist kontinuierlich im In- und Ausland mit Einzel- und in Gruppenausstellungen präsent und mit exklusiven Arbeiten in den ständigen Sammlungen der Museen Koblenz, Neuwied und Bautzen vertreten. Ihren aktuellen Schaffens- und Lebensmittelpunkt hat Susanne Krell in der Fontanestadt Neuruppin eingerichtet.
Die Konzeptkunst von Susanne Krell ist eine Hommage an die Steinmetze. Mit dem Werkzeug der Fantasie verfolgt die Künstlerin gleichsam den Weg zurück vom fertigen Werkstück zum unbehauenen Block, dem der Steinmetz durch gestalterische Kraft auf der Grundlage einer Konzeption Gestalt verleiht. Die Künstlerin und der Steinmetz gehen den gleichen Weg, lediglich in umgekehrter Richtung, sie vertauschen Ausgangspunkt und Resultat.
Für das Ausstellungsprojekt „Kirchheimbolanden – Lviv“ hat Susanne Krell in beiden Städten Frottagen genommen. In Kirchheimbolanden sind Abriebe in der Paulskirche und auf dem Gelände des barocken Terrassengartens entstanden. Was daraus entwickelt wurde, ist nun im Museum im Stadtpalais, an dem Ort des kollektiven Gedächtnisses der Stadt, zu sehen. Die Werke werden in die bestehende Dauerausstellung integriert. Sie hängen buchstäblich „zwischendrin“.
Was einerseits abstrakt und von weit hergeholt erscheint, verwandelt sich in den Werken von Susanne Krell in lebendige Geschichte und authentische Lebensläufe ganz unterschiedlicher Persönlichkeiten in Kirchheimbolanden oder Lviv, denen jedoch eines gemeinsam ist: eine weitreichende Mobilität, die ihre individuelle Existenz und die sie umgebende Lebenswirklichkeit nachhaltig prägt.
So wirkt die Ausstellung von Susanne Krell im Kirchheimbolander Heimatmuseum gleichzeitig wie ein Fernrohr und ein Vergrößerungsglas. Die Zivilisationsgeschichte am Donnersberg ist Ausdruck eines ständigen Kommens und Gehens, eines Gebens und Nehmens. Ganz offensichtlich bildet der Austausch mit dem Fremden, das sich Einlassen auf das Neue, den fruchtbaren Boden für Kultur und gesellschaftlichen Fortschritt.
Die raumgreifende hundertteilige Installation „Barock, fliegend“ verarbeitet ein Barockmotiv aus dem historischen Treppengeländer im Stadtpalais und versinnbildlicht das Streben in die Ferne. Nach Lviv oder Lemberg, wie die ehemalige galizische Metropole hieß, soll die Reise gehen.