Veranstaltung

Ausstellung „Bewegung und Struktur"

Der Pirmasenser Künstler Wolfgang Fritz präsentiert in der Doppelausstellung „Bewegung und Struktur“ zusammen mit Ingrid Lebong eine eindrucksvolle Zusammenführung zweier elementarer Werkkomplexe: Rauchzeichnungen und experimentelle Fließbilder. Er zeigt Arbeiten, die den prozesshaften Charakter seines künstlerischen Schaffens verdeutlichen – Malerei als Experiment, als Transformation und als Spur des Augenblicks.

Sein Werk ist seit Jahrzehnten geprägt vom Wechselspiel der Elemente: Feuer und Farbe, Verdichtung und Auflösung, Struktur und Zufall. In den bekannten Rauchzeichnungen nutzt der Künstler eine rußende Flamme als Zeichenstift – eine Methode, die nicht nur poetisch, sondern auch wissenschaftlich präzise ist. Das Flüchtige des Feuers wird eingefangen, ordnet sich rhythmisch und verweist in seiner formalen Strenge auf naturwissenschaftliche Muster und biologische Strukturen.

Die neuen Arbeiten, die in Rockenhausen erstmals gezeigt werden, erweitern diesen Ansatz um das Element Wasser. Mit Fließ- und Strömungstechniken erforscht Wolfgang Fritz physikalische Kräfte flüssiger Farbe. Farbschichten überlagern  und verdrängen einander, Linien entstehen aus Bewegung, Formen aus Zufällen. Diese malerischen Prozesse erinnern an Landschaften, Spiegelungen und geologische Schichtungen – an  Bilder, die entstehen, ohne abbildend zu sein.

Geboren 1956 in Pirmasens, lebt und arbeitet Wolfgang Fritz in Lemberg. Nach dem Studium der Bildenden Künste an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Thomas Bayerle, Christian Kruck und Rainer Jochims, arbeitet er seit 1982 als freischaffender Künstler. Er ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler und der Künstlergruppe neuN+. Bekannt wurde er durch zahlreiche Ausstellungen in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus.

Mit dieser Ausstellung knüpft das Museum für Kunst Rockenhausen an seine Tradition an, künstlerische Positionen zu zeigen, die experimentelle Verfahren und materialbezogenes Denken in den Mittelpunkt stellen. Wolfgang Fritz führt diesen Ansatz mit großer Konsequenz fort: Seine Kunst bewegt sich zwischen Kontrolle und Loslassen, zwischen dem Denken in Systemen und dem Vertrauen in den Moment. Fritz versteht Malerei als Prozess – als lebendige, immer neu entstehende Form, die das Sichtbare und das Flüchtige zugleich festhält.

Ingrid Lebong, geboren 1952 in Homburg/Saar, lebt und arbeitet in ihrer Geburtsstadt Homburg und auch in einem festen Atelier in der Provence. An der Europäischen Akademie in Trier studierte sie Malerei und Plastik. Es folgten Arbeitsaufenthalte in Frankreich und Italien. Seit 1985 zeigt sie als freischaffende Künstlerin ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen in Rheinland-Pfalz und grenzübergreifend im französischen Sprachraum saarländischer Nachbarländer. 2019 wurde sie für den Mainzer Kunstpreis in der Galerie Eisenturm nominiert. Sie ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler BBK Saar und Rheinland-Pfalz.

Ingrid Lebong zeichnet, malt, druckt und modelliert nicht nur, sie kombiniert auch gerne unterschiedliche Techniken und Materialien. Fotographie verschmilzt mit Malerei, Grafisches interagiert mit Farben. Lebongs Kunstwerke werden von Anfang an bestimmt von der Idee der Transformation und sind dementsprechend wandlungsfähig. Im Laufe der Zeit überwiegt die Abstraktion die anfängliche Gegenständlichkeit.

Lebongs Malerei gestaltet sich ohne Vorzeichnungen aus dem Malakt heraus. Lasurhafte Übermalungen verflechten den Vorder- und Hintergrund immer wieder aufs Neue und sorgen für einen vibrierend entgrenzten Bildraum. Eigenständige Linien laden den dynamisierten Innenraum zusätzlich auf. Ingrid Lebongs Kunst ist stets von Stimmungen, Erlebnissen und Eindrücken aus Natur und Umwelt gespeist. Das Emotionale und Rationale, das Spontane und Reflexive halten sich die Waage. Der Dialog der Farb-Formen ist von eigenständiger Qualität und schlägt sich oft in Serien mit vorabdefiniertem Farbenkonzept nieder. Intuition und Systematik sind kreative Verbündete. Das Konstruktiv-Suggestive ist Motor und wesentliche Qualität der Lebong‘schen Kunst, die als meditativ abstrahierte Umsetzung und Übersetzung der Realität offen für die Betrachtung bleibt.

Die Wechselausstellung kann bis 7. Juni 2026 jeweils dienstags bis sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr in der Speyerstraße 3 in Rockenhausen besichtigt werden. Kontakt Museum-kunst@rockenhausen.de oder Telefon 06361 22136.